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Aktuelle Seite: Startseite | LESEHEFT Nummer 2 zur Ausstellung FRANZ BAHR pneumatic sculptures im STADTHAUS
Am Samstag, dem 12. Juli öffnet das STADTHAUS seine Pforte zur Ausstellung FRANZ BAHR pneumatic sculptures. Zu sehen sind neue Arbeiten des Künstlers.
Dazu erschien das zweite LESEHEFT zum Künstler und seiner Ausstellung und natürlich einem weiteren "Nebenschauplatz" - einem Matronenstein. Dieser Matronenstein hängt in einer Replik im Treppenhaus des STADTHAUSES und hat - Forschungen zu Folge - der Stadt Lechenich ihren Namen gegeben.
Leseheft zur Ausstellung
Franz Bahr pneumatic sculptures
12. - 27. Juli 2008
STADTHAUS · Weltersmühle 1 · 50374 Erftstadt
GEÖFFNET Mittwoch · Samstag · Sonntag 11 - 13 und 16 - 18 Uhr
Texte zur Ausstellung
Text zum Matronenstein im STADTHAUS
DIE AUSSTELLUNG
Drei gute Gründe haben dazu geführt, die Werke von Franz Bahr im Stadthaus zu präsentieren:
Wir haben es zu tun
· mit Objekten aus wertvollen Materialien,
· einem völlig neuen Blick auf die Herstellung von Skulpturen und
· einem bis ins letzte Detail konsequent durchdachten künstlerischen Programm.
Dieses künstlerische Programm zielt ab auf pure Zweckfreiheit der Objekte. Zweckfreiheit ist eines der obersten Ziele der Kunst überhaupt. Besonders deutlich wird diese Zweckfreiheit bei den metallenen Kissen, die optisch als solche erkannt werden, aber aufgrund ihrer Materialbeschaffenheit nicht als Kissen zu benutzen sind. Dabei zeichnen sich die Arbeiten von Franz Bahr durch eine Eigenschaft aus, die in der Kunst nicht oft zu finden ist: den Humor.
Der Herstellungsvorgang der Werke verläuft in einem äußerst ernsthaften und technisch anspruchsvollen Arbeitsprozess. Das ästhetische Endergebnis lässt sich nur durch extreme Sorgfalt und materialgerechte Behandlung erreichen. Der Vorgang des Aufblasens zweier zuvor zusammengeschweißter Metallplatten trägt gleichermaßen ein spielerisches wie ein Präzision forderndes Moment in sich. Die Kunst besteht dabei darin, im richtigen Moment aufzuhören. Also dann wenn Inneres und Äußeres harmonieren. "Diese Skulpturen brauchen keine Masse mehr..." und „Luft als Form gebendes Medium ersetzt den Meißel, und zwar überall und gleichzeitig", so Franz Bahr selbst zu der Idee hinter seinen Werken.
Durch seine kunstgeschichtliche Kenntnis der Plastik von der Antike bis heute reiht er sich mit seinen Arbeiten ein in die klassische Kunst der traditionellen Bildhauerei - durch Auseinandersetzung mit dem Bekannten und gleichzeitiger Innovation durch Erfindung einer eigenen zeitgemäßen Herstellungsmethode.
So haben wir es hier mit Kunst zu tun, die jede Saite des verwendeten Materials zum Klingen bringt. Dem hohen von den Objekten in der Ausstellung ausgehenden optischen Reiz kann sich der Betrachter nicht entziehen.
Die Skulpturen kann man entweder in Innenräumen oder auch unter freiem Himmel aufstellen.
Gisela Baumann-Hille
pneumatic sculptures
Als Mc Luhan 1964 sein Werk „The Medium is the Message" veröffentlichte, war er seiner Zeit nicht nur weit voraus, sondern reflektierte wie kein anderer, welchen Einfluss die Medien auf die Menschheit und die Kultur haben. Es war die Zeit, als das mechanistische Zeitalter vom elektrischen abgelöst wurde.
Im mechanistischen Zeitalter dominierten die Maschinen und bestimmten den Tagesablauf, es war das Zeitalter der Linearität:
eins folgt auf dem anderen.
Im gesellschaftlichen und kulturellen Kontext bedeutet dies:
es war die Zeit der Prinzipien, Dogmen und der Objektivität.
In der Architektur dominierten monumentale Bauten mit kleinen Fenstern. In der Kunst sind es Abbilder des menschlichen Bewegungsapparates und der in der Natur vorkommenden Geometrien.
Im Übergang zum elektrischen Zeitalter addierte sich die Gleichzeitigkeit.
Durch die elektronische Datenübertragung schrumpften Raum und Zeit zusammen, alles ist überall und gleichzeitig verfügbar. Radikale politische und kulturelle Bewegungen waren typische Begleiterscheinungen dieses Übergangs.
Die im mechanistischen Zeitalter vorherrschenden typischen hierarchischen Strukturen wurden in Frage gestellt.
Während im mechanistischen Zeitalter monumentale Skulpturen mit einem großen Schwerpunkt auf das Material vorherrschten und immer auf einem Sockel standen, traten im elektrischen die ersten medialen Installationen auf: sie waren flüchtig: ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht sind.
Interessant ist die These, dass das elektrische Zeitalter vom Zeitalter des Lichts abgelöst wird:
und tatsächlich finden sich dafür schon genügend Hinweise:
Informationen werden mit Hilfe von Lichtleitern übertragen, mit dem Laser operiert, Licht in Energie umgewandelt.
Die „pneumatic sculptures" reflektieren genau jenes Zeitgeschehen:
Linear erstellte Skizzen werden auf elektronischem Weg in Zeichnungsdateien umgewandelt.
Mit Hilfe dieser elektronischen Information schneidet eine Maschine mit Licht (Laser) die Formen aus den Blechen, den späteren Hüllen.
An die Stelle des mechanischen Feuers tritt nun das elektrische Feuer zum verschweißen.
Luft als formgebendes Medium ersetzt den Meißel, und zwar überall und gleichzeitig.
Diese Skulpturen brauchen keine Masse mehr, zwischen dem Inneren und dem Äußeren befindet sich letztendlich nur eine dünne Hülle,
- Kontakt zur Erde haben sie nur punktuell.
So entstehen Objekte und Skulpturen, die Dinge und Lebewesen aus der Umgebung des Menschen abstrahieren und in ästhetische Medien transformieren.
Oder eben genau umgekehrt: Der intuitive Schöpfungsprozess erzeugt Skulpturen, die im Gehirn des Menschen diese Erzeugen.
Während das mechanistische Weltbild noch letztendlich den Bewegungsapparat des Menschen in den Mittelpunkt stellte, so bildet das elektrische Zeitalter bezeichnenderweise das Gehirn und dessen Netzwerkstruktur ab.
So verwundert es nun nicht mehr, dass die pneumatic sculptues sowohl ihren schöpferischen Ursprung, als auch ihr Ziel wieder im unbewussten Teil des menschlichen Denkapparates finden.
Franz Bahr
im Juli 2008
Curriculum Vitae
Franz Bahr
* 22.07.1966
02/1991 - 08/1991 Fachhochschule Köln | Fachbereich Kunst -
Metallbildhauerei
09/1991 - 08/1997 International School of Design - Köln | Abschluss:
Diplom-Designer (FH)
02/1987 - 08/1987 Designgruppe Pentagon/Galerie Pentagon,| Volontariat
mit anschließender projektbezogener Mitarbeit,
u.a.documenta 8 in Kassel
Ausstellungen (Auszug)
September 2008 20. KunstTag Rhein-Erft Abtei Brauweiler | Pulheim
September 2008 internationale Skulpturentage Schloß Reinbek
Juli 2008 Einzelausstellung | Stadthaus Erftstadt
Januar 2008 Gruppenausstellung Künstlergruppe Kulturfeld e.V. | "Spiegelungen" | Städtische Galerie Wesseling
2006/2007
Street Gallery 2007 | Köln
HanseArt Hamburg | Auszeichnung mit dem Kunstpreis Gruppenausstellung Galerie Eigen-art | Sandesneben
Einzelausstellung | Hilton Cologne
Einzelausstellung | "Kunst us dem Veedel" im Köln Marriott Hotel |
HanseArt | Lübeck
passagen 2007 | Köln
Gruppenausstellung: Künstlergruppe Kulturfeld e.V., "unperfekt" | Städtische Galerie Wesseling
Gruppenausstellung: Kunst im Carrée, Köln Sülz/Klettenberg | 1. Preis
1988 - 1992
Gruppenausstellung: Ausstellung zum Kongress "Tasten" | in der Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn Einzelausstellung: "Biel Air" | Galerie Kalos, CH-Biel
Gruppenaustellung: Im Museum für angewandte Kunst|
"Der gute Ton", Köln
Einzelausstellung: "Möbel zum Thema" Mainzer Straße | Köln
Gruppenausstellung: Im Pavillon des Deutzer Bahnhofs | Köln mit der Gruppe CONFRONTATION
Matronenstein
Im Treppenhaus des Stadthauses kann man eine auf den ersten blick recht unspektakuläre Sandsteinplatte entdecken.
Auf den zweiten Blick entdeckt man eingemeißelte Schrift in lateinischer Sprache.
Auf den dritten und weitere Blicke in die Lechenicher Geschichtsschreibung* ist zu erfahren, dass es sich bei dem Objekt um den vielleicht wichtigsten römischen Fund aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert auf Lechenicher Boden handelt: es ist ein Matronenstein mit Namensbezeichnungen, die sehr wahrscheinlich den Ortsnamen Lechenich begründeten. Selbstverständlich handelt es sich bei dem Stein um eine Replik (Nachbildung). Das Original befindet sich im Landesmuseum in Bonn.
Matronensteine sind Ausdruck eines der keltischen Kultur entsprungenen und in römischer zeit fortgesetzten Matronenkultes. Zahlreiche Funde in der Region weisen darauf hin; als einer der bekanntesten und besterhaltenen Matronensteine gilt der Bonner Altar der Aufanischen Matronen. Während es sich hier um einen figurativ sehr reich gestalteten Altar handelt, ist bei unserem Stein die Inschrift erhalten: den „Matronis Laneh(i)abus" geweiht ebenso mit dem Hinweis auf einen der Stifter „Lucius Ialehenius Secundus".
Forschungen weisen bei unserem Stein auf den sprachlichen Wandel des lateinischen Laneh(i)abus über mittelalterliche Wortversionen wie „Lechnig", „Leggenich" oder „Lechenium" schließlich auf das heutige Lechenich hin. Allerdings gibt es auch Überlegungen, den Ortsnamen aus dem Namen des Stifters, Lucius Ialehenius Secundus herzuleiten.
Nun - das Problem ist recht komplex und lässt sicherlich noch einigen Raum für weitere Forschungen. Wichtig ist an dieser Stelle der Hinweis auf unseren Stein als Geschichtsquelle. Denn dieses äußerlich unscheinbare Denkmal enthält doch einen interessanten Hinweis auf die lange Geschichte unserer Stadt.
Gisela Baumann-Hille
*Die Stadtbücherei Erftstadt hält ein umfangreiches Angebot an Literatur zum Thema bereit .
Dank
Dank geht an alle, die beim Zustandekommen der Ausstellung und der Entstehung des Leseheftes geholfen haben:
Professor Anton Berger für die offene und freundliche Bereitschaft zur Teilnahme am Vorbesichtigungstermin für die Presse.
Christine Bahr und Jürgen Linden für Foto und Satz des Leseheftes und des Flyers zur Ausstellung.
Manfred Stein gestattet die Nutzung der Architekturzeichnung des Stadthauses mit Ansicht von der Weltersmühle als Logo.
Von allen Genannten gab es tatkräftige Hilfen und unterstützende Gespräche.
IMPRESSUM
STADTHAUS
Weltersmühle 1 50374 Erftstadt
GEÖFFNET Mittwoch · Samstag · Sonntag 11 - 13 und 16 - 18 Uhr
INFORMATIONEN
www.erftstadt.de · www.artothek-erftstadt.de
TELEFON +49(0)2235-952264
FAX +49(0)2235-952266
E-MAIL info@artothek-erftstadt.de
© Fotos · Satz: insideout Aachen · Markus Nischk · Franz Bahr · Christine Bahr ·
Jürgen Linden
Ausstellungskonzeption · Texte Franz Bahr · Gisela Baumann-Hille
Druck Stadt Erftstadt
STADT ERFTSTADT
DER BÜRGERMEISTER
KULTURABTEILUNG
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