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Aktuelle Seite: Startseite | Ausstellung Otto Graff - Bilder
Zur Zeit sind - wie auf dieser Seite eine Nachricht zuvor berichtet - Bilder von Otto Graff im Stadthaus zu sehen. Zahlreiche Werke stammen aus der Artothek Erftstadt, Leihgaben wurden von Annemarie Graff, Herbert Graff und dem Verein zur Sicherung des künstlerischen Nachlasses von Otto Graff e.V. beigesteuert.
Zu sehen ist nun eine sehenswerte Ausstellung, die die überragende künstlerische Qualität Graffs dokumentiert. Ein zur Mitnahme ausliegendes Lesehefgibt Aufschluss über die Ausstellungskonzeption und die künstlerische Biographie Graffs sowie einen thematischen "Nebenschauplatz" - in dieser ersten Ausgabe ist es das Stadthaus in Lechenich.
Leseheft zur Ausstellung
Otto Graff Bilder
7. - 22. Juni 2008
STADTHAUS · Weltersmühle 1 · 50374 Erftstadt
BIOGRAPHISCHES
Otto Graff wurde 1915 in Fiddichow/Pommern geboren und starb 1997 in Erftstadt.
Allein die vierstellige Anzahl der Werke, die Otto Graff geschaffen hat, ist Beweis genug für ein Leben, in dessen Mitte die Kunst stand.
Otto Graff fängt in jungen Jahren an zu zeichnen. Nach dem Krieg beginnt er
Aquarelle zu malen. Die Kommentare der mit seinem Talent überforderten Lehrer in der Schulzeit kann er verwinden. Über die Volkshochschulkurse der fünfziger Jahre wächst er schnell hinaus. Er wird durch die Fähigkeit zur Reflexion seines Schaffens im besten Sinn zum Autodidakten.
Stehen am Anfang seiner künstlerischen Arbeit nach dem Krieg die Aquarelle, so setzt er in den siebziger Jahren im Holzschnitt sein Werk konsequent fort. In Otto Graffs Gesamtwerk ist zunächst das Aquarell die emotionale Rettung aus einer im Krieg erlebten und stark empfundenen „Zeit der sinnlichen, körperlichen, seelischen und geistigen Verrohung".
Graff ist ein aufmerksamer wie hochsensibler Beobachter.
Seine einfühlsamen und dadurch so ausdrucksstarken Holzschnitte zeugen von einem immensen Darstellungswillen. In zahllosen niedergeschriebenen Gedanken kommentiert er seine Arbeit. Oft kommt dort zum Ausdruck, wie er mit Mitteln und Methoden kämpft, seine eigenen Fähigkeiten analysiert und auf den Prüfstand hebt:
„Immer wieder wird die feine akribisch ziselierte Arbeit gepriesen - das ist es gerade, was ich nicht habe. Das Zufällige, das fast Missratene, das Andeutende leisten ihren Beitrag zur prima idea" (Begriff der Renaissance)
oder „Holz - sprödes Holz - zähes Holz - hölzernes Holz - geschmeidiges Holz - starres Holz - tanzendes Holz -wachsendes/sterbendes Holz"
oder „Es ist der Mühe wert, solange zu üben, bis die Linien einen organischen Zusammenschluss finden".
In der Darstellung des Menschen sieht Otto Graff mehr als dessen bloße körperliche Bewegung: „Im Tanz sah ich mein Leben lang den besten Beweis vom Zusammenwirken von Körper und Seele - doch ich habe nie getanzt".
Einer der eindrucksvollsten Holzschnitte, Strudel, entsteht für amnesty international.
DIE AUSSTELLUNG
Die Ausstellung mit Bildern von Otto Graff soll ein neues Licht auf sein Werk werfen.
Die Präsentation zeigt Bildergruppen und einzelne Bilder im Wechsel.
Es wird sehr Unterschiedliches zusammengefügt. Holzschnitte und Aquarelle werden zum thematischen Ensemble. Auf diese Weise erschließt sich die Stimmigkeit in Graffs Oeuvre.
Die unsymmetrische Hängung erlaubt dem Auge einen lebendigen Weg bei der Betrachtung.
Das Tageslicht spielt eine wichtige Rolle. Es wird in jedem Fall versucht, soviel wie möglich in die Ausstellungsräume herein zu holen, um die Bilder zu beleuchten.
Alle Bilder sind unverkäuflich.
Als Leitfaden durch die Ausstellung dienen die in diesem Leseheft eingefügten Zitate von Otto Graff.
„Da Farben nicht sprechen können, muss man sie sehen. Wer Farben mit Worten darstellt, ist ein hinkender Bote. Wer will das Auge mit dem Ohr erklären?"
„Ich habe viele Jahre damit zugebracht, die menschliche Gestalt zurückgeführt auf wenige Striche zu zeichnen und dabei ihre Bewegung zu erfassen und noch über ihre Bewegungsmöglichkeit hinaus. Die Bewegungsmöglichkeiten - die Beweglichkeit der menschlichen Gestalt: Sie ist, da sie uns selbst angehört, auch der Messer unseres Empfindens von Schönheit, Sehnsucht, Erfülltsein, aber auch Vergeblichkeit."
„Wenn ich einen Holzschnitt mache, genügt das Licht einer Kerze. Beim Aquarell ist das Mindeste Sonnenschein."
KURZE GESCHICHTE ZU SECHS BILDERN AUF SACKLEINEN VON OTTO GRAFF
Als meine Mutter Ende November 1983 in Hannover starb, musste ich in sehr kurzer Zeit die Wohnung auflösen. Der Jahreszeit entsprechend hatte sie den Keller voller Holz und Kohle.
Meine große und einzige Hilfe waren Harry Koll und Mirko Pfennig, da ich in Hannover niemanden kannte, der mir so kurzfristig helfen konnte. Das Heizmaterial entwickelte sich zu einem Problem. Wir gingen durch die Straßen und schauten nach, welches Haus noch alte Fenster hatte.
Alte Fenster hieß für uns Kohleöfen. Wir hatten Glück, die Kohlen wurden uns abgenommen. Von Haus zu Haus so zu sagen.
Bis auf sechs Säcke, die wir - zeitbedingt - nicht mehr unterbringen konnten. Wir nahmen sie mit nach Liblar.
Als Andenken an meine Mutter hat mein Schwiegervater auf diese sechs Säcke für mich sechs Bilder gemalt.
Annemarie Graff
DANK
Dank geht an alle, die beim Zustandekommen der Ausstellung und der Entstehung des Leseheftes geholfen haben:
Annemarie Graff · Herbert Graff · Helga und Kurt Harthun · Klaus Schramm · Verein zur Sicherung des künstlerischen Nachlasses von Otto Graff e.V. · Architekturbüro Manfred Stein
Anni Graff bereichert die Ausstellung mit sechs Bildern auf Rupfen, die ein persönliches Geschenk von Otto Graff an sie sind. In einem kleinen Text erzählt sie die Entstehungsgeschichte der Bilder im Leseheft selbst.
Von Herbert Graff sind Leihgaben aus seinem Privatbesitz zu sehen.
Klaus Schramm möchte im Anschluss an die Ausstellung der Artothek Erftstadt eine Serie von Bleistiftstudien schenken. Daraus sind 24 Zeichnungen - von Otto Graff selbst angeordnet - in der Ausstellung zu sehen.
Vom Verein zur Sicherung des künstlerischen Nachlasses von Otto Graff e.V. hat Christian Fensch sehr hilfreich bei der Auswahl von Aquarellen zur Seite gestanden.
Manfred Stein gestattet die Nutzung der Architekturzeichnung des Stadthauses mit Ansicht von der Weltersmühle als Logo.
Von allen Genannten gab es tatkräftige Hilfen und unterstützende Gespräche.
STADTHAUS
Das Stadthaus war nicht immer das STADTHAUS.
Es hatte auch einen anderen Namen und natürlich auch einen anderen Zweck als heute.
Als Verwaltungsgebäude wurde es immer genutzt - so auch einige Jahre als Standesamt - aber nicht immer von der Stadt Erftstadt.
Im Jahr 1902 wurde es als Neubau für die Post errichtet. Technische Neuerungen und die vermehrte Inanspruchnahme der Post durch den Telegraphenverkehr in dieser Zeit führten damals zu zweierlei Dingen: einmal wurde die alte Post-Herberge in der Klosterstraße zu klein. Die Wahl des Standorts vor den Toren der Stadt ergab sich aus dem zu lauten Klang der Kirchenglocken, die den Telegraphenverkehr empfindlich beeinträchtigt hätten. Das alles lässt sich nachlesen in einem wunderbaren Beitrag von Helmut Weingarten im Jahrbuch der Stadt Erftstadt von 1992.
Heute erreicht man über den Haupteingang an der Herriger Straße das Mobile - den Jugendtreff der Stadt Erftstadt.
Über den Seiteneingang an der Weltersmühle gelangt man in die Ausstellungsräume im ersten Stock. Es sind drei helle, großzügig ineinander übergehende Räume, die viel Platz für Kunst bieten.
Die Partnerschaftsvereine, das Künstlerforum Schaufenster, der kunstverein in erftstadt und die te Peerdt - Schenkung sind hier zu Hause.
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